Mit Herz und Holz zimmern Kinder in Vilsbiburg Hütten

10. August 2025 idowa+ von Armin Licina

 

Hüttenbau beim Ferienprogramm ist mehr als Hämmern und Sägen. Das wurde auch in der vergangenen Woche deutlich, als sich acht- bis zwölfjährige Baumeister ans Werk machten.

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Im Schatten der Vilsbiburger Wallfahrtskirche Maria Hilf sägten, hämmerten und pinselten die jungen Baumeister an ihren Holzhütten.

 

„Jetzt nicht, ich habe gerade die Farbe angemischt“, ertönt es durch das kleine Fenster einer Holzhütte. Nicht weit davon werden an einer anderen Holzkonstruktion mit Säge und Hammer die letzten Mängel beseitigt: „Repariert.“ Schon lässt sich die Tür problemlos wieder auf- und zu machen. Bei einem dritten Häuschen wurden gar die
Temperaturverhältnisse bedacht: „Unsere Hütte hat eine Heizung. Das Silikon-Dach heizt drinnen ein, wenn die Sonne draufscheint.“ In dem Ort Holzdorf, der im Schatten der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Vilsbiburg vom 5. bis zum 8. August erbaut wurde, gab es für die acht- bis zwölfjährigen Baumeister immer was zu tun.


Der „Bauauftrag“ für das aus Schwartenholz zusammengenagelte Dörfchen kam auch heuer wieder vom Kreisjugendring Landshut unter der Regie von Tanja Kollmannsberger und der Stadt Vilsbiburg. Der Hüttenbau, der fester Bestandteil des Ferienprogramms ist, lockte dieses Jahr elf Buben an Nägel, Hammer und Säge. Und bereits einen Tag vor dem offiziellen Baustopp am Freitag, waren die vier Holzhäuschen nahezu einzugsbereit. „Die Gruppen sind wirklich sehr fortgeschritten in ihrer Arbeit und schneller als die Teilnehmer in den Vorjahren“, sagte Programmleiter Stefan Hagenauer beeindruckt. Trotz der guten handwerklichen Fähigkeiten der Kinder zählte für Hagenauer und sein Team wie immer: Sicherheit vor Schnelligkeit. Mithilfe eines „Handschuhzählers“ wurden Verstöße geahndet, bei denen die jungen Baumeister ohne Handschuhe das splittrige Holz berührten. „Wenn sie heute unter fünf bleiben, dürfen sie sich eine Belohnung aussuchen“, erklärte Hagenauer.

Dass die Buben die Regeln und die Bauarbeiten in Holzdorf nicht auf die leichte Schulter nahmen, zeigte sich in ihrer Investitionsbereitschaft. „Mein Vater und ich haben gestern für 75 Euro Holz gekauft, damit wir hier das Dach cool machen können“, sagte ein Teilnehmer. Auch mitgebrachte Scharniere oder zu Türgriffen umfunktionierte Metallringe sollten den Hütten den letzten Wohlfühlfaktor geben. Doch was bei all dem Bauspaß im Vordergrund stand, war das gemeinsame Anpacken: „Nee, mit Chef ist immer blöd, das haben wir gemeinsam entschieden und gemacht“, erklärte eines der Kinder den Planungs- und Bauvorgang seiner Gruppe. 

Der gemeinschaftliche Aspekt ist auch für Stefan Hagenauer einer der entscheidenden Punkte des Projekts. Die Kinder sollen lernen zusammen zu planen, zu entscheiden und als Team Lösungen für Probleme zu suchen. Deshalb sei es auch wichtig gewesen, die Buben Fehler machen zu lassen. Lobende Worte hatte auch Bürgermeisterin Sibylle Entwistle übrig. Das Programm sei optimal geeignet, um wichtige Eigenschaften wie Teamfähigkeit zu vermitteln, und fördere das Selbstvertrauen der Kinder.

 

Der Hütten-Umzug wird bereits geplant.


Auch für Stadtjugendpfleger Herbert Dressler ist der pädagogische Mehrwert des Hüttenbaus enorm. Die Kinder würden so bereits lernen, sich realistische Ziele zu setzen, die sie erreichen können: „Sie haben nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung. Wenn die Vorstellungen zu utopisch sind und das Material ausgeht, fällt die Hütte in sich zusammen.“ Vom Einsturz waren die Hütten in Holzdorf jedoch weit entfernt, auch wenn es am Donnerstag und Freitag noch einiges zu erledigen galt, bis das Dorf am Freitag offiziell seine Pforten für die Eltern öffnete. Und dann wurde für die Hütten ein neues Zuhause gesucht, sofern sich die Baumeister bei der Standortverlegung einig wurden. Aber auch das gehöre zum pädagogischen Lernprozess dazu. Und so hat sich eines der Kinder sein Häuschen bereits im Voraus gesichert - und wusste auch gleich, wem es das Häuschen vererben will: „Die Hütte soll ein Geburtstagsgeschenk für meinen Opa werden.“ Und auch bei den anderen jungen Baumeistern wurde man sich schnell einig. Denn egal wo die Hütten auch hinkommen: Die Bewohner von Holzdorf werden sich in Zukunft immer wieder zum Spielen in ihren eigenen Hütten treffen.