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Zwischen Abenteuer und Geborgenheit

Die Pandemie hinterließ Spuren in der Seele vieler Jugendlicher – Der KJR steuert gegen

 

Von Matthias Keck

 

Landkreis. Auf orangenem Papier steht #Jugendformen. Es liegt auf einem Tisch der Geschäftsstelle des Kreisjugendrings Landshut (KJR). Eine Jugendleiterin hat den Hashtag kürzlich bei einer Tagung aufgeschrieben. „Sie war unzufrieden damit“, sagt die Sozialpädagogin Tanja Schedlbauer. Immerhin werde hier laut Geschäftsführer Helmut Lipfert keiner verbogen. Jeder solle sich frei fühlen. „Wir bieten nur sicheren Raum“, fügt er hinzu. So ein Raum scheint nach den Lockdowns wichtiger denn je. Die Jugendarbeiter blicken positiv auf die Aktionen während Corona. Mit Ausnahme des Frühjahrs 2020 fanden alle Angebote statt. Jährlich zu Fasching, Ostern, Pfingsten und den Sommerferien gehen Betreuer des KJR mit Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahren Stand-up-Paddeln, Reiten, Bogenschießen. Manches dauert einen Tag, wie der Besuch der Bavaria Filmstadt und des Wildparks Poing. Anderes nimmt Übernachtungen in Anspruch.

 

 

Helmut Lipfert und Tanja Schedlbauer vom KJR vor dem „Jugend Kultur Mobil“. Es soll im Sommer von Gemeinde zu Gemeinde touren. Foto: Matthias Keck Helmut Lipfert und Tanja Schedlbauer vom KJR vor dem „Jugend Kultur Mobil“. Es soll im Sommer von Gemeinde zu Gemeinde touren. Foto: Matthias Keck

 

Wegen der Pandemie sind Kinder auffällig

Seit zwei Jahren arbeiten die Angestellten und Ehrenamtlichen unter Pandemiebedingungen: Desinfektion, Spiele ohne Körperkontakt und weniger Teilnehmer. An den kleinen Gruppen fanden Lipfert und Schedlbauer Gefallen: „Wir gehen mehr auf den Einzelnen ein“, sagt Schedlbauer. Der Bedarf sei vorhanden. Lipfert betont: „Immer mehr sind auffällig. Wir führen das auf die soziale Isolation in der Pandemie zurück.“ Auch ohne Corona sind manche in sich gekehrt, manche toben umher. Aber aktuell nehmen den Pädagogen zufolge die Extreme zu: „Kinder bringen kaum ein Wort heraus“, sagt Schedlbauer. „Andere wehren sich gegen alles, was wir vorschlagen.“ Sie stellt fest: „Teilweise fehlt das Feingefühl, miteinander umzugehen.“ Nicht nur Corona zwingt den KJR oft, mit weniger Personen auf Ausflüge zu fahren oder Workshops abzuhalten. Lipfert musste erkennen: „Es ist schwer, Teenager ab 13 Jahren zu erreichen.“ Die Entwicklung zeichnet sich schon lange ab. Laut dem KJR-Geschäftsführer entspreche es nicht dem Zeitgeist, verbindlich etwas zu unternehmen: „Viele möchten sich nicht festlegen. Erst recht nicht, um Fremde zu treffen.“ Corona verschärfe diese Mentalität. „Die mussten im Homeschooling lernen, sich selbst zu organisieren“, analysiert Schedlbauer. „Auch, wie sie ihre Freizeit alleine füllen.“ Gerade für junge Menschen, die sich aktuell einsam fühlen, wären die Angebote des KJR eine sichere Anlaufstelle. Beim KJR arbeiten geschulte Freiwillige sowie Fachkräfte, die wissen, wie in welcher Situation zu reagieren ist.

 

„Wer macht mit 14 einen Städtetrip ohne Eltern?“

Der ein oder andere Programmteilnehmer fasst nach kurzer Zeit Vertrauen zu den Betreuern. Schedlbauer erklärt: „Wir hören Sätze wie: Mein Papa wird immer so sauer!“ Auch solche kleinen Hilferufe häufen sich. „Jedes Kind und jeder Jugendliche soll das Gefühl bekommen, jemand nimmt die Sorgen ernst “, bekräftigt Lipfert. Schedlbauer sieht einen großen Wert im Ferienprogramm des KJR: Es befinde sich zwischen Abenteuer und Geborgenheit. Die Kinder und Jugendlichen sammeln Erlebnisse mit Gleichaltrigen, die im Alltag nicht möglich sind. Trotzdem wird jeder begleitet und hat Ansprechpartner für alle Probleme. „Wer macht mit 14 einen Städtetrip ohne Eltern?“, fragt sie. „Wir ermöglichen das, mit unserer Jugendfreizeit in Berlin diesen August.“

 

 

Programmhighlights des Jahres

Noch diesen Monat finden die Pferdetage Hüttenkofen von 20. bis 22. April statt. „Die sind seit Jahren der Renner“, sagt Helmut Lipfert. Stand-up-Paddling war schon 2021 Teil des Programms. Am 5. August findet wieder ein Kurs sowie eine Nacht-Version statt. Erstmals können sich Teilnehmer des Erlebnisfreizeit-Camps auf einen Ablauf freuen, der ganz verschiedenen Sportarten gewidmet ist. Das Besondere: Jeder Teilnehmer hat ein Mitspracherecht, was nacheinander unternommen wird. Eine weitere Neuerung ist das „Jugend Kultur Mobil“. Gemeinden des Landkreises können den KJR anfragen, ob das Mobil vor das Rathaus oder an einen Park kommt. Vor Ort finden Workshops statt. Lipfert gibt ein Beispiel: „Jugendliche können am Nachmittag einen DJ-Kurs besuchen und abends auflegen.“ Das Angebot sei unverbindlich. Familien, die sich ein gewünschtes Angebot nicht leisten können, erhalten Hilfe vom KJR. „Ein Anruf genügt“, versichert Lipfert (der KJR ist erreichbar unter 0871-76302).

Die Pferdetage sind „ein Klassiker“ im KJR-Ferienprogramm. Foto: Andrea HuberDie Pferdetage sind „ein Klassiker“ im KJR-Ferienprogramm. Foto: Andrea Huber